Frühe Förderung

Konferenz Frühe Förderung 2009

Bildungsdirektorin Aeppli im Gespräch mit Dr. D. Elschenbroich
Foto: Bildungsdirektion Kanton Zürich

Auf der Konferenz stellte die Bildungsdirektion des Kantons Zürich ihre Leitsätze zur frühen Förderung zur Diskussion und veröffentlichte einen Hintergrundbericht. Rund 400 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Organisationen und Fachverbänden sowie Fachpersonen und weitere Bildungsinteressierte nutzten die Gelegenheit, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. Bildungsdirektorin Regine Aeppli machte dabei deutlich, dass frühe Förderung nichts mit vorzeitiger Verschulung zu tun hat. Im Zentrum stehe die Entwicklung des Kindes, und diese werde in erster Linie in der Familie gefördert. Deshalb komme der Elternbildung und der Stärkung der Familie eine grosse Bedeutung zu. Besondere Aufmerksamkeit verdienten auch familienergänzende Angebote. Rund 60 Prozent der Kinder würden an einzelnen Wochentagen ausserfamiliär betreut. Deshalb sei es wichtig, dass diese Angebote qualitativ hoch stehend, gut zugänglich und finanziell tragbar seien, so die Bildungsdirektorin.

Bereits ein breites Angebot – zusätzliche Ressourcen sind wünschenswert

Markus Brühwiler, Leiter des Fachbereichs Familie und Jugend im Amt für Jugend und Berufsberatung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich, präsentierte den Hintergrundbericht frühe Förderung, der über die wissenschaftlichen Grundlagen und die internationalen, nationalen und kantonalen Bestrebungen in der frühen Förderung informiert. Ein Kapitel beschreibt dabei das Angebot an früher Förderung im Kanton Zürich, das Brühwiler näher vorstellte und mit Zahlen belegte. Er wies aber auch darauf hin, dass mehr Ressourcen wünschenswert wären, um Eltern und ihre Kinder noch besser unterstützen zu können.

Wer sich über die bestehenden Angebote der frühen Förderung im Kanton Zürich informieren wollte, konnte an sechs Informationsständen Unterlagen sichten. Fachpersonen standen für Auskünfte und Gespräche zur Verfügung.

Ein neuer Blick auf die frühen Jahre

Die renommierte Kindheitsforscherin am deutschen Jugendinstitut in München, Donata Elschenbroich, zeigte in ihrem Referat auf eindrückliche Weise, wie lernbegierig, wissensdurstig und neugierig kleine Kinder sind, mit welchem Elan, welcher Ausdauer und wie lustvoll sie die Welt entdecken. Sie gab einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Kindheit und wie die Kinder zu verschiedenen Zeiten wahrgenommen wurden. Und sie betonte, wie wichtig es sei, den Kindern ein Umfeld zu bieten, in dem sie ihren Entdeckerdrang ausleben und selber lernen können.

Ursula Armbruster, Fachreferentin für Fragen der Betreuung von Vorschul- und Schulkindern im Schwedischen Ministerium für Bildung und Forschung in Stockholm, gab einen Überblick über das schwedische Modell der frühen Förderung. Ein Modell, das – angepasst an landesspezifische Gegebenheiten – durchaus Vorbildfunktion übernehmen könnte. Schwedens Vorschulaktivitäten übernehmen eine doppelte Aufgabe: Vorschulaktivitäten sollen einerseits Eltern ermöglichen, Elternschaft und Erwerbstätigkeit oder Ausbildung miteinander zu vereinbaren. Andererseits sollen sie den Entwicklungs- und Lernprozess des Kindes unterstützen und dazu beitragen, dass Kinder unter sicheren und guten Bedingungen aufwachsen. Diese Leitsätze gelten seit den 1970er Jahren. Seit den 90er Jahren wurde jedoch der bildungspolitische Inhalt der Vorschulaktivitäten stärker betont und dazu ein eigener Lehrplan für die Vorschule eingeführt.

Vielfältige Informationen und interessante Diskussionen in Workshops

Im Anschluss an die Referate konnten die Teilnehmenden verschiedene Workshops besuchen und sich in unterschiedliche Aspekte der frühen Förderung vertiefen. In insgesamt sechzehn Workshops berichteten Fachpersonen und Gemeindevertreter aus ihrem praktischen Alltag, von ihren Erfahrungen mit neuen Projekten und präsentierten Verbesserungsmöglichkeiten und neue Wege der frühen Förderung, vor allem auch im Hinblick auf bestimmte Zielgruppen und deren Erreichbarkeit. Anschliessend wurde diskutiert: Setzen die Leitsätze der Bildungsdirektion richtige Schwerpunkte? Wie viel Engagement wird vom Kanton gewünscht? Wo und wie soll er sich engagieren?